NN/HA/WIRT/WIRT9 - Di 17.02.2009 - NÜRNBERG EXTRA: WIRTSCHAFT IN NÜRNBERG
Vauen Vereinigte Pfeifenfabriken Nürnberg produziert schon seit 1848 — Produkt entsteht aus einer Wurzelknolle aus dem Mittelmeerraum (Horst Peter Wickel)
Über die Ankündigung des neuen bayerischen Gesundheitsministers Markus Söder, das strikte Raucher-Gesetz zu lockern, haben sich die Nichtraucher innerhalb des Freistaats nicht gerade gefreut. Doch bei zahlreichen Gastwirten und Rauchern findet die Neufassung der gesetzlichen Vorschriften durchaus Unterstützung. So auch bei Alexander Eckert, geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmen Vauen Vereinigte Pfeifenfabriken Nürnberg GmbH.
"Wir sind für den Schutz der Nichtraucher vor ungewolltem Tabakrauch. Aber wir sind auch der Meinung, dass dabei die Rechte der Raucher nicht mit Füßen getreten werden dürfen", erklärt Alexander Eckert, Chef des Pfeifenherstellers Vauen. Seiner Meinung nach ist der Staat zwar verpflichtet, über die Gefahren des Rauchens aufzuklären — aber mündigen Bürgern müsse überlassen bleiben, wie sie darauf reagieren.
In den vergangenen zwei Jahren musste der Nürnberger Traditionsbetrieb in der Landgrabenstraße Umsatzrückgänge hinnehmen und die Zahl der Mitarbeiter von 40 auf 35 reduzieren. "Der Umsatzrückgang hat sich in Grenzen gehalten, nicht zuletzt wegen eines ständig steigenden Exportgeschäfts", betont Eckert. Ein Viertel des Gesamtumsatzes wird inzwischen mit dem Export bestritten, die Pfeifen aus Nürnberg werden in mehr als 50 Länder geliefert.
Lange Tradition
Im vergangenen Jahr konnte die Pfeifenmanufaktur ihr 160-jähriges Bestehen feiern. Unternehmenschef Alexander Eckert betont: "Nicht ohne Stolz führe ich nun schon in der fünften Generation das Unternehmen, das sich seit Anfang in Familienbesitz befindet." 1848 hatten Karl Ellenberger und Carl August Ziener damit begonnen, aus erlesenen Hölzern Tabakpfeifen zu fertigen. 1901 wurde zusammen mit der Pfeifenfabrik Gebhard Ott die Vereinigten Pfeifenfabriken Nürnberg, in der Kurzform VN oder eben Vauen, gegründet. 1982 hat der heute 57-jährige Alexander Eckert die Geschäftsführung übernommen.
Jede Pfeife ist auch heute noch immer zu 95 Prozent Handarbeit — alle Arbeiter unter den 35 Beschäftigten der Firma beherrschen denn auch mehrere der insgesamt 60 verschiedenen Arbeitsgänge. Das Material der kunstvollen Rauchutensilien ist weiterhin Bruyère, die Wurzelknolle einer Baumheide aus dem Mittelmeerraum. Nur ein Zehntel der ausgegrabenen Wurzelknollen entsprechen den hohen Anforderungen von Vauen und werden zu sogenannten Kanteln für die Pfeifenfertigung verarbeitet.
Der Wert einer Pfeife hängt von der regelmäßigen Maserung und Materialfehlern wie eingewachsenen Rindenteilchen ab. Auch wenn handgemachte Unikate zum Teil Spitzenpreise von mehreren hundert Euro erreichen, besitzen passionierte Pfeifenraucher in der Regel zwei Dutzend Pfeifen. Statistiker schätzen, dass rund ein Prozent der Deutschen, also rund 800000 Menschen, das genussvolle Schmauchen lieben, bei dem der Rauch nicht inhaliert wird. Alexander Eckert: "Das Haus Vauen hat am Markt eine besondere Bedeutung durch die hohe Qualität seiner Produkte erlangt. Und dies nicht nur im Bereich Pfeifen, sondern auch bei Pfeifenfilter ,Dr. Perl junior‘, die 1934 von uns erfunden und am Markt eingeführt wurden."
Während der langen Unternehmensgeschichte hat das Unternehmen "immer wieder Aufs und Abs" erlebt. Eckert erklärt: "Seit einigen Jahren spürt der Pfeifenraucher von mehreren Seiten Gegenwind. Einmal war es der neue Trend des Zigarrenrauchens, der an der Attraktivität des Pfeiferauchens nagte. Zum anderen haben die zum Teil sehr einschneidenden Regelungen zum Schutz der Nichtraucher dazu beigetragen, dass der Pfeifenraucher ein wenig die Lust am Pfeiferauchen verlor."
Trends aufgreifen
Selbstverständlich versucht das Unternehmen, gesellschaftliche Trends aufzugreifen. So wurde bei Vauen das Modell "Pipoo" entwickelt, bei dem vorgefertigte Tabakportionen in die Pfeife gestopft werden. Auch in der Werbung nutzte die Pfeifenmanufaktur jede Chance. Als der Film "Der Herr der Ringe" in den Kinos für Aufsehen sorgte, sicherte sich das Nürnberger Unternehmen die weltweite Lizenz für die "Herr-der-Ringe-Pfeifen" der genussvoll schmauchenden Filmhelden.
Für die Zukunft ist der begeisterte Pfeifenexperte Eckert ganz optimistisch. Nach seiner Einschätzung wird das Pfeiferauchen eine Renaissance erleben: "Die Menschen sehnen sich nach Entspannung vom Alltag. Genuss ist angesagt. Dazu passt das Pfeiferauchen als die schönste Art Tabak zu genießen. Außerdem ist es wieder zeitgemäß sich mit Dingen zu beschäftigen, die individuell sind und die sich vom einfachen 'Konsumieren' unterscheiden. In unserer hektischen Zeit trachten die Menschen nach einer 'Entschleunigung' und dafür eignet sich das Pfeiferauchen vortrefflich."

Die von Vauen gefertigten Pfeifen entstehen noch zu 95 Prozent in Handarbeit. Auch Mitarbeiterin Katharina Dicsi muss da mehrere der insgesamt 60 verschiedenen Arbeitsgänge beherrschen. Foto: Karlheinz Daut

