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Eine Pfeife für jeden Geschmack - Vauen setzt auf Handarbeit

Nürnberger Zeitung - 29.11.2007

 

 

 

"Insgesamt sind wir gut davongekommen", resümiert Alexander Eckert das Ende August abgelaufene Geschäftsjahr 2006/2007. "Aber die Anfeindungen gegen die Raucher nehmen bedenkliche Formen an", klagt der Familienunternehmer, der den Nürnberger Pfeifenproduzent Vauen (Vereinigte Pfeifenfabriken Nürnberg) bereits in fünfter Generation lenkt.
Mit Blick auf das zum Jahreswechsel in Kraft tretende Rauchverbot in der Gastronomie befürchtet Eckert eine verfehlte Politik: "Es macht mir sorgen, dass der Staat in immer mehr persönliche Bereiche eingreifen und regulieren will. Es kann ja beim Rauchen nicht bleiben, es kommt das Alkoholverbot, das Verbot von süßen Speisen und fetten Gerichten."

Beschnitte in der unternehmerischen Freiheit

Zweitens sieht Eckert die unternehmerische Freiheit unverhältnismäßig beschnitten. Denn würde man nach seiner Vorstellung den Gastwirten die Entscheidung überlassen, ob sie sich für rauchfrei Räume oder Qualm in der Wirtstube entscheiden, würde der Markt in Form von Kundenfrequenz über das richtige Konzept entscheiden. Und drittens leide die Pfeifenindustrie an einer Art Sippenhaft. Der Pfeifengenießer gehöre zwar auch – wie die Zigarrenfreunde – zu den Rauchern, Eckert hebt aber die Unterschiede hervor. Denn die Politik wolle insbesondere das Paffen der Zigarettenraucher eindämmen, Pfeife werde weder von Kindern und Jugendlichen konsumiert und mache zudem auch nicht abhängig. "Die Politk geht den falschen Weg."

Umsatz leidet jetzt schon unter dem Rauchverbot

Im Umfeld dieser Diskussion ging der Umsatz von Vauen im abgelaufenen Geschäftsjahr um neun Prozent auf 6,1 Millionen Euro zurück. Ein kleiner Trost für das Traditionsunternehmen: Das Minus fiel geringer aus als das der Konkurrenten, so dass der wertmäßige Marktanteil in Deutschland auf rund 25 Prozent ansteigen konnte. Während es in Deutschland und vielen europäischen Ländern den "Pfeifenrauchern zu blöd“ geworden sei, lief das Geschäft außerhalb Europas „wirklich sehr gut". In China sei man in allen relevanten Shopping Malls und Hotel-Shops präsent. In Russland werde die Pfeife so richtig modern und gerade das hochwertige Geschäft mit Pfeifen ab einem Stückpreis von 100 Euro aufwärts entwickele sich positiv. Selbst Pfeifen, die etwa mit Brillanten oder andern Designs verschönert seien, könne man dort verkaufen. Das gehe bis zu einem Ladenpreis von 1500 bis 2000 Euro. Mit edlen Sonderanfertigungen oder speziellen Pfeifenlinien hat die Belegschaft, es werden konstant rund 45 Mitarbeiter beschäftigt, gute Erfahrungen gemacht. Selbst die Pfeifentrilogie zu den drei "Herr der Ringe"-Filmen werde "immer noch recht ordentlich verkauft". Mangels passendem Nachfolgethema werde nun eine Klassikedition aufgelegt, die erste wird mit der Unterschrift von Mozart verziert und in einer schönen Schmuckkassette angeboten. Außerdem soll die handwerkliche Kompetenz dadurch besser vermarktet werden, dass einzelne Bauteile oder Pfeifenaccessoires für Mitbewerber gefertigt werden. Aber auch Vauen selbst stärkt sein Sortiment mit einem österreichischen Pfeifenmacher, der mit künstlerischen Unikaten als "handmades", also vollständig in Handarbeit geschaffenen Pfeifen, das normale Sortiment ergänzt.
Trotz rauchfreiem Gegenwind aus Politik und Gesellschaft blickt Alexander Eckert zuversichtlich in das gerade begonnenes Geschäftsjahr. "Optimistisch sind wir immer, wir lassen uns nicht unterkriegen."
Zum einen hofft er auf eine Verfassungsklage gegen das Rauchverbot in der Gastronomie. Zum anderen rechnet er sich aus der Wiederentdeckung der Pfeifenkultur gute Marktchancen aus. "Pfeife rauchen wird wieder attraktiver. Man sucht seine persönliche Erholungspause und nimmt sich eine halbe Stunde Zeit, um die Pfeife zu genießen."

 

Thomas Tjiang


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