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Deutschlands älteste Pfeifen-Manufaktur profitiert vom Kino-Hit

von Barbara Reitter-Welter - erschienen am 19. Oktober 2003

 

Nürnberg - Eigentlich war Alexander Eckert, 51, kein Tolkien-Fan - bis er den Film "Der Herr der Ringe" sah. "Da wurde richtig genussvoll Pfeife geraucht", erinnert sich der Chef von Deutschlands ältester Pfeifen-Manufaktur, deren Motto ja auch lautet: Pfeifenmacher aus Leidenschaft. Und so brachte er die "Bilbo" auf den Markt. Eine Pfeife mit langem Holm aus edlem Bruyère-Holz, dem Vorbild aus dem Film genau nachgebildet. Die "Bilbo" für 199 Euro wurde ein Verkaufsschlager für das fränkische Unternehmen, ebenso wie das Modell "Aragorn" zu Teil zwei. Nun folgt die Pfeife "Gandalf", rechtzeitig zum Kino-Start des letzten Teils der "Ring"-Trilogie Anfang Dezember.

 

Seit 1848 reagiert das Nürnberger Traditionsunternehmen "Vauen" - "V" steht für Vereinigte Pfeifenfabriken und "en" für Nürnberg - so auf die Zeitläufe. Denn selbst Pfeifenmodelle sind der Mode unterworfen. "Wir führen 250 Modelle, dazu kommt jährlich eine so genannte Jahrespfeife in limitierter Auflage. Natürlich hat man bei einer Pfeife nicht besonders viele Gestaltungsmöglichkeiten. Aber wir machen uns ständig Gedanken, was ankommt, und haben deshalb neben Klassikern auch modische Pfeifen im Programm", sagt Eckert, der Vauen in fünfter Generation leitet.

 

Vor Jahren war grellbunt angesagt, dann gab es Stücke mit Goldflimmer oder Applikationen wie ziselierten Ringen am Holm. "Zurzeit wird die puristische Pfeife mit klarer Formhebung bevorzugt."

 

Immerhin, ein Prozent aller Deutschen, insgesamt also etwa 800 000 Menschen, sind Pfeifenraucher. Davon profitiert Vauen. Jährlich verlassen neben vielfältigen Accessoires und unzähligen Tabaksorten (insgesamt gibt es rund 800!) an die 60 000 Pfeifen das Nürnberger Unternehmen, 15 Prozent davon werden in 42 verschiedene Länder exportiert.

 

Dabei ist jede Pfeife noch immer zu 95 Prozent Handarbeit - alle 25 Arbeiter unter den 45 Mitarbeitern der Firma beherrschen denn auch mehrere der insgesamt 60 verschiedenen Arbeitsgänge. "Wenn eine Pfeife nach rund eineinhalb Stunden fertig ist, ist sie durch die Hände von 25 Leuten gegangen", sagt Eckert.


Das Material heißt Bruyère und ist die Wurzelknolle einer mittelmeerischen Baumheide. "Im Idealfall 30 Jahre alt und fußballgroß", erklärt der Firmenchef, selbst von Jugend an begeisterter Pfeifenraucher.

 

Der Wert einer Pfeife hängt von der regelmäßigen Maserung und Materialfehlern wie eingewachsenen Rindeteilchen ab. Auch wenn die Preise bei 28 Euro beginnen, mit 150 Euro die obere Mitteklasse abdecken und bei 500 Euro für ein rein handgemachtes Unikat liegen, besitzt ein passionierter Pfeifenraucher in der Regel zwei Dutzend Pfeifen.

 

Trotz starker Konkurrenz liegt der Jahresumsatz der Firma Vauen derzeit bei etwa sieben Millionen Euro. "Pfeifenrauchen geht in Wellenbewegungen zwischen Hoch und Tief, im Moment läuft uns die Zigarre ein bisschen den Rang ab. Doch ich sehe schon wieder einen Silberstreif am Horizont, denn langfristig sind Zigarren zu teuer. Von einer Pfeife hat man ein Leben lang etwas - und sie ist ein Schmuckstück für jeden Mann."

 

Damit auch jüngere Leute wieder öfter zur Pfeife greifen, hat Vauen seit kurzem eine völlig neuartige Pfeife im Programm: die "Pipoo". Die verspricht nämlich, was in heutigen Zeiten zählt: Zeitgewinn. Statt sie umständlich zu stopfen, steckt man eine vorgefertigte Tabakportion einfach rein. Anzünden, fertig. "Zurzeit ist sie mit 50 000 bereits verkauften Exemplaren unser Renner", freut sich Eckert. Eine rosige Zukunft also, wenn auch verqualmt.


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