Kann man das Rad in Sachen Pfeife immer neu erfinden? Man kann: Die Firma Vauen überrascht den Markt immer wieder mit neuen Ideen. Nach „pipoo" kam die „Der Herr der Ringe"-Pfeife. Und jetzt starten die Nürnberger Pfeifenmacher mit einer Serie, die sich zwar an die klassische Form anlehnt, jedoch gänzlich neue Käuferschichten im Blick hat. SMOKERS CLUB sprach hierüber mit Vauen-Geschäftsführer Alexander Eckert.
SMOKERS CLUB: Schaut man das aktuelle Angebot der Firma Vauen an, fällt einem einmal mehr der Mut auf, mit der Sie auch unkonventionelle Pfeifen präsentieren. Die klassische Pfeife zeichnet sich eher durch ein konservatives Design aus. Was veranlasst Sie, hier andere Wege zu gehen?
Alexander Eckert: Den Mut neue Wege zu beschreiten und modernes Pfeifendesign anzubieten gewinnen wir durch die kontinuierliche Entwicklung und deren Ergebnisse der letzten 20 Jahre. Unsere Stellung als die deutsche Pfeifenmanufaktur hat sich während dieser Zeit stark verändert. Man schätzt uns als Pfeifenhersteller, der von der untersten bis zur obersten Kategorie eine hohe Qualität zum vernünftigen Preis anbietet. Man nimmt uns ernst. Und gerade dies ist Voraussetzung dafür, dass man vom Verbraucher auch dann ernst genommen wird, wenn man neue Wege beschreitet. Darüber hinaus haben uns vergangene Erfolge ermutigt hier fortzufahren. Der Grund für das zuweilen sehr fortschrittliche Design bei unseren Pfeifen liegt in der Erkenntnis, dass Pfeifenraucher in den meisten Fällen nur dann zu der bisherigen Sammlung eine neue Pfeife erwerben, wenn diese anders aussieht als die bereits vorhandenen. Da wir uns ständig verbessern wollen, müssen wir immer wieder den Pfeifenraucher ansprechen und ihn zum Kauf einer weiteren Pfeife veranlassen. Und ein weiterer Grund für neues Design bei der Pfeife liegt darin, dass wir alle unsere Pfeifen noch hier in Deutschland selbst fertigen und daher mit den höchsten Produktionskosten der Welt im Wettbewerb mit anderen Anbietern am gleichen Markt stehen. Da wir über eine hervorragende Qualität unserer Mitarbeiter verfügen können, liegt es nahe, neue Entwicklungen zu wagen und hochkomplizierte Pfeifen zu fertigen.
SMOKERS CLUB: An wen richtet sich denn Ihr Angebot? Der Liebhaber der klassischen Linie dürfte sich ja wohl kaum davon angesprochen fühlen...
Alexander Eckert: Unser Angebot ist sehr vielfältig. Bei den sehr unterschiedlichen Pfeifen mit modernem Design haben wir sehr verschiedene Zielgruppen im Auge. Einmal ist es der Pfeifenraucher, der bereits schon seit längerer Zeit Pfeife raucht — diesem geben wir für den nächsten Pfeifenkauf immer wieder neue Impulse durch manchmal etwas mehr, manchmal etwas weniger verändertes konventionelles Pfeifendesign. Dies soll aber nicht heißen, dass nicht auch der „gestandene“ Pfeifenraucher empfänglich für neue Wege ist. Zum anderen haben wir natürlich auch jüngere Menschen im Visier, die entweder noch nicht wissen, welchen Rauchgenuss sie bevorzugen sollen oder die gerade das Pfeiferauchen begonnen haben. Häufig hören wir besonders von jüngeren Menschen, dass das Pfeiferauchen für sie deshalb nicht in Erwägung gezogen wird, weil es einen „angestaubten“ Eindruck macht und in deren Zeitgeist nicht hineinpasst. Gerade für solche müssen wir als Pfeifenhersteller immer wieder versuchen neue Ideen zu entwickeln, denn sie sind es ja auch, die uns später die Pfeifen abkaufen sollen. Wir bemühen uns seit langem eben gerade mit neuem und modernem Pfeifendesign das „Altväterliche“ des Pfeiferauchens abzuschütteln. Wenn ein jüngerer Mensch in der Zeit der Unentschlossenheit bemerkt, dass das Pfeiferauchen und damit die „Pfeifenmode“ mit der Zeit geht, so kann es für ihn erstrebenswert sein, dieses schöne Hobby zu pflegen.
SMOKERS CLUB: Unterscheiden sich die Herstellungsverfahren von Ihren modernen und den „normalen" Pfeifen?
Alexander Eckert: Wie schon vorher gesagt, geht mit modernem und zeitgerechtem Pfeifendesign auch eine größere Entwicklung einher. Gerade bei der Herstellung ergeben sich immer wieder große Probleme um das zu erreichen, was das Design fordert. Gerade unsere neue Kollektion „Pipeline“ belegt dies „leider“ sehr deutlich.
Sowohl die Fertigung der Rohform als auch die außerordentlich aufwändigen Lackierarbeiten sind grundverschieden zum konventionellen Pfeifenbau. Sicher macht man sich gar keine Vorstellungen - und dies soll auch so sein - wie schwierig und langwierig die Herstellung solcher Pfeifen ist. Oder nehmen Sie unsere neue Oxford-Kollektion. Hier haben wir ebenfalls vollkommen neue Wege beschritten was die Holmkonstruktion anbelangt. Um einen möglichst grazilen und eleganten Holm zu diesen Pfeifen mit kleinem Kopf fertigen zu können, mussten wir die Filteraufnahmekonstruktion vollkommen verändern. Ebenso ist das Stecksystem von Mundstück, Holm und Kopf eine Neuentwicklung. Viele Pfeifen mussten Probe geraucht werden, bis die endgültige Lösung feststand.
SMOKERS CLUB: Woher nehmen Sie die Ideen für Ihre Designs?
Alexander Eckert: Wir sind sehr glücklich Robert Meskes als Designer gefunden zu haben. Er ist nicht „abgehoben“, sondern steht durchaus mit beiden Beinen fest auf dem Boden. Dies bedeutet, dass er uns keine Ideen präsentiert, die nicht auch realisiert werden könnten. Gerade weil sich Robert Meskes für allgemeines Design zuständig fühlt, bekommen wir durch seine Ideen immer wieder vollkommen neue Richtungen beim Pfeifendesign. Die meisten Pfeifen aus unserem Programm werden allerdings von mir selbst entworfen. Anregungen liefert mir modernes Möbeldesign oder Schmuckdesign. Ideen erhalte ich aber auch dadurch, dass ich uralte Kataloge unseres Unternehmens hervorkrame und darin schmökere. So ist z.B. unsere neue Oxford-Kollektion entstanden. Was mir dabei besonders gefällt, ist die moderne Umsetzung eines alten Designs.
SMOKERS CLUB: Die Firma Vauen ist mit ihrer über 150-jährigen Geschichte natürlich auch der Klassik verpflichtet. Was würden denn die Firmengründer zu Ihrem modernen Engagement sagen?
Alexander Eckert: Die vier Generationen, die vor mir das Unternehmen Vauen geführt haben, haben immer das eine Ziel verfolgt: Erfolgreich zu sein und einen wichtigen und anerkannten Platz in der Branche zu erreichen. Diese Ziele habe auch ich mir auf die Fahne geschrieben. Durch frühere Neuentwicklungen haben wir erfahren dürfen, dass dies zum Unternehmenserfolg beiträgt. Es liegt daher nahe, in dieser Tradition fortzufahren. Dabei vernachlässigen wir aber nicht, auch die traditionelle Pfeife weiterzuentwickeln.
SMOKERS CLUB: Wenn man sich den derzeitigen Pfeifenmarkt anschaut, fällt auf, dass der Mut zum Design bei nicht allzu vielen Anbietern so groß ist. Woran könnte das liegen?
Alexander Eckert: Der derzeitige Pfeifenmarkt ist ein sehr schwieriger Markt. Auf Grund der allgemeinen Kaufzurückhaltung stehen Pfeifen nicht gerade an erster Stelle der Wunschliste. Dies bedeutet auch für die Pfeifenhersteller eine sehr schwierige Situation. Dass man in solch einer Lage nicht gerade Mut zu neuen Dingen schöpft und vor allem auch die finanziellen Mittel für neue Entwicklungen fehlen, erklärt sich von selbst. Andererseits sollte es natürlich gerade umgekehrt sein: Gerade in unserer derzeitigen Situation wäre es außerordentlich wichtig, wenn alle Pfeifenhersteller immer wieder neues Pfeifendesign herausbringen würden, um den Pfeifenraucher „bei der Stange zu halten“.
SMOKERS CLUB: Und woran tüfteln Sie derzeit? Gibt es auch im Frühjahrskatalog entsprechende Überraschungen?
Alexander Eckert: Die Ideenkiste ist noch lange nicht geleert. Allerdings legen wir jetzt eine kleine schöpferische Pause ein, so dass für das Frühjahr 2006 keine neue Entwicklung vorgesehen ist. Natürlich gibt es, wie immer, verschiedene neue Pfeifenkollektionen.
Das Gespräch führte Jan-Geert Wolff

